Eine Branche steuert ins aus

Eine Branche steuert ins aus ?

23. Juni 09:20 Copyright: Joe Knape

Eine Branche steuert ins Aus ?

Das europaweite Speditionsgewerbe steuert langsam aber sicher auf einen
Aufstand der angestellten Fahrer zu. Löhne, die nur noch für
Halbtagsstellen angemessen sind, menschenverachtende
Arbeitsbedingungen, sozial unmögliches Gehaltsdumping, keine
Einheitliche Umsetzung von EU-Richtlinien, immer weiter sinkende
Anerkennung des Berufes als Kraftfahrer … die Liste kann noch um Einige
Punkte erweitert werden.

Der für die Fahrer am wichtigsten genannte Grund für die allgemeine
Unzufriedenheit und Frustration ist das branchenübliche Lohngefüge. Die
Löhne und Gehälter fallen immer mehr ins Bodenlose, und die
Anforderungen und Leistungen der Fahrer werden immer mehr.

Früher war der Job einfach mit dem Laden, Fahren und Abladen erledigt,
Geschäfte und Lieferungen haben mit Handschlag funktioniert.

Heute muss ein Berufskraftfahrer im Nahverkehr oft selbst seine
Tourtermine planen, den Ladeplan erstellen, selbst das Fahrzeug
beladen, die Tour gemäß den vorgegebenen Terminen fahren, beim Kunden
selbst wieder abladen, den gesamten Papierkram erledigen, das Fahrzeug
in Schuß halten und sich um den Werterhalt kümmern.
Im Fernverkehr ist es ein wenig „einfacher“ – der Fahrer hat mehr
„Entspannung“, weil er längere Touren fährt und nicht den ganzen Tag
wie ein Lemming durch die Gegend laufen muss.
Oder? Ganz so einfach ist das Kraftfahrergewerbe leider nicht.
Wie sieht der Arbeitsalltag des Berufskraftfahrers überhaupt aus?
Der Arbeitstag eines Kraftfahrers beginnt sehr oft mitten in der Nacht,
denn die Ware muss oft schon am frühen Morgen in den Lägern und beim
Kunden zur Verteilung oder zum Verkauf bereitstehen.
Und das alles und vieles mehr macht ein Berufskraftfahrer für
durchschnittlich 1600-1800 Euro brutto.

Der Verkehr auf den Autobahnen und Bundesstraßen wird immer mehr und
somit auch gefährlicher.
– Deutschland ist Durchgangsland. Der gesamte Warenverkehr von Nord
nach Süd, Ost nach West führt unumgänglich durch Deutschland. Täglich
Hunderte von Kilometern Stau, zahllose und endlose Baustellen, viele
tragische Unfälle durch rücksichtslose PKW-Fahrer, übermüdete und
unaufmerksame LKW-Fahrer.

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Ein paar Beispiele:

– PKW-Fahrer scheren sehr oft in die Sicherheitsabstände zwischen den
   LKW ein, um noch ganz schnell ihre Autobahnausfahrt zu erwischen

– Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überholverbote werden lediglich als
   Empfehlungen angesehen. Es wird auf Teufel komm raus gerast, was das
   Fahrzeug hergibt – egal ob PKW oder LKW.

– Sicherheitsabstände sind für viele PKW-Fahrer ein Fremdwort. Kann ein
   LKW mal einen anderen überholen, wird bis auf oft weniger als 5m
   Abstand auf den überholenden LKW aufgefahren – und dieser oft noch mit
  Lichthupe zum Freimachen der Überholspur genötigt.

– Schraffierte Sperrflächen, Richtungspfeile auf der Fahrbahn,
   durchgezogene Sperrlinien und kurviger Straßenverlauf hinden kaum einen
   PKW-Fahrer, oftmals lebensmüde Fahrmanöver durchzuführen.

– Ausländische LKWs, die sich auf den Bundesstraßen einen Dreck um die
   gemäß StVO bindende Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h und
   vorgeschriebene Sicherheitsabstände scheren.

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In all diesem Chaos hat der Berufskraftfahrer die Aufgabe, sein
Fahrzeug mit oftmals vollen 40 Tonnen Gesamtgewicht termingerecht,
zügig und sicher durch den Verkehr zu führen.
Es erweckt den Eindruck, dass die Straßen und Autobahnen als völlig
rechtsfreier Raum angesehen werden, da ja auch kaum konsequente und
wirksame Kontrollen durch die Aufsichtsbehörden erfolgen. Und nachts
schon gar nicht – jedenfalls wurde gerade auf den Bundesstraßen eine
eklatante Vernachlässigung festgestellt.

Es gibt kaum einen Fahrer, der nicht vom Chef oder der Disposition
unter Zeitdruck gesetzt wird. „… das muss unbedingt noch zum Kunden,
der wartet drauf…“, „… der Abholer muss heute unbedingt noch erledigt
werden…“

• Natürlich erfolgen diese Weisungen immer nur mündlich, denn Chef wie
auch Disponent wissen, dass sie mit einer Fahranweisung, die unter
Einhaltung der vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten nicht zu schaffen
ist, sittenwidrig gegen die Sozialvorschriften handeln.

• Weigert sich der Fahrer, der Anweisung nachzukommen, hat er oft mit
Kündigung oder anderen arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu rechnen, die
dann recht zügig von der Geschäftsleitung konstruiert werden.

Wenn der Arbeitstag zuende ist, freuen sich Alle auf ihren Feierabend.
Der Angestellte aus dem Büro, der nach 9 Stunden schwerer Büroarbeit
nach Hause fährt, der Handelsvertreter, der sich abends aus sein
bequemes Hotelbett freut, der Verkäufer aus dem Supermarkt, der abends
zu seiner Famile nach Hause kommt und Frau und Hund begrüßt.

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Der Berufskraftfahrer, der noch lange nach einem Parkplatz suchen muss
hat mit ein paar kleinen Hürden zu rechnen…

• Das Parken in den Industriegebieten wird von immer mehr Gemeinden und
Kommunen entweder durch nächtliche Halteverbote oder durch
entsprechende bauliche Maßnahmen wie z.b. durch zu kurze Parkbuchten
unmöglich gemacht.

• Auf Autohöfen muss man wegen der privaten Betriebsführung immer
seinen Obulus entrichten – zwischen 5 – 15 Euros pro Übernachtung – die
kaum ein Fahrer zum Verzehr oder Einkauf nutzt, weil fast alle
Selbstversorger sind. Macht man es doch, greift man meistens auf ein
üppiges Angebot aus aufgewärmten und überteuerten Mahlzeiten zu, die
genauso lieblos wie auch geschmacklos zubereitet werden.

• Bereits ab dem späten Nachmittag sind die Raststätten und Parkplätze
oft schon hoffnungslos mit LKWs überfüllt. Es wird zwar vereinzelt an
neuen Parkplätzen gebaut, wer jedoch die deutsche Gemütlichkeit von
Bauarbeitern kennt, kann abschätzen, wann dieses Problem beseitigt sein
wird.
• Auf vielen Autobahnparkplätzen oder Bundesstraßenparkplätzen steht
man irgendwo in der Wildnis.
o … ohne Möglichkeit, menschenwürdige sanitäre Einrichtungen benutzen
zu können
o … ohne Möglichkeit, sich „kulinarisch“ verpflegen zu können
o … ohne Möglichkeit, dem Bedürfnis nach Körperhygiene angemessen
nachzukommen.
• Zur Ruhe kommt er trotzdem kaum, weil die allerwenigsten Parkplätze
durch angemessene Schallschutzvorrichtungen verfügen und meist so
gebaut sind, dass man mit dem Führerhaus in Richtung Fahrbahn steht.

• Davon abgesehen sind trotz vieler Versprechen der Politik keine
nennenswerten Veränderungen in der Parkplatzsituation zu beobachten. Es
wird zwar etwas gebaut, jedoch wissen oftmals die zuständigen
Straßenverkehrsämter nicht einmal, wo die Parkplätze gebaut werden
sollen.

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• Zum Schlafen selbst stehen dann ein Lattenrost und 5cm Schaumstoff
bei 70cm Breite zur Verfügung.

– Eine rückenschonende Gesundheitsmatratze ist für die LKW-Hersteller
   scheinbar ein Fremdwort – denen sind Verbrauchswerte und gegen saftige
   Aufpreise erhältliche Zusatztechnik wichtiger, ansatt diese serienmäßig
   in die Fahrzeuge einzubauen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

– … in einer Fahrerkabine, die gerade mal Stehhöhe hat und über ca. 5qm
   Gesamtfläche verfügt.
   Anmerkung: Jedem Strafgefangenen stehen gemäß Amnesty International 9qm
   Zellenfläche zu …

– … in einer Fahrerkabine, die – falls der Fahrer seinen Nachtdienst
   erledigt hat – tagsüber in der prallen Sonne steht und sich hier auf
   40-50 Grad und mehr Innentemperatur aufheizt

Jeder wird sich bestimmt erinnern, wie schön warm es im PKW ist, wenn
er im Sommer eine halbe Stunde auf dem Supermarktparkplatz gestanden
hat.
Warum Standklimaanlagen nicht jetzt schon zur vorschriftsmäßigen
Ausstattung von LKW gehören, ist uns ein Rätsel.
Wie ein verantwortungsvoller Kraftfahrer so seine tägliche Ruhezeit
verbringen soll, ausgeruht und munter seinen nächsten Arbeitstag hinter
sich bringen soll – wir empfehlen, selbst einmal diesen Test zu machen.
Einer Vergrößerung der Fahrerkabinen steht die festgeschriebene
maximale Länge der Fahrzeuge entgegen, die natürlich von den
Spediteuren auf maximale Anzahl der möglichen Stellplätze für Ladung
gefordert wird. Es bleibt also kein Platz für größere Fahrerkabinen,
wenn diese Längenbegrenzung nicht geändert wird – zu Gunsten der
Fahrerhäuser.

 

  Der Umgangston bei den Discountern und Kunden ist oft sehr menschenverachtend.

   Ok, wer kein dickes Fell hat, ist in der Branche eh
   falsch, aber jeder Fahrer hat ein Recht auf respektvolle Behandlung.

– Trotz zugesagter und gebuchter Zeitfenster werden diese vom Kunden
   oftmals nicht eingehalten. Verpasst der Fahrer verkehrsbedingt durch
   Stau sein Zeitfenster, wird er „aussortiert“ und kann stundenlang auf
   sein Abladen warten.

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– Hier kommt er auch kaum zur Ruhe, weil diese Wartezeit zum Einen als
   Bereitschaftszeit und somit als Arbeitszeit gewertet wird und zum
   Anderen der Fahrer jederzeit damit rechnen muss, vom Pieper zum
   Anfahren der zugewiesenen Rampe aufgefordert zu werden. Von Ausruhen
   oder gar Schlafen kann hier auch kaum die Rede sein.

  • Viele Discounter haben nichtmal ein solches Pieper-System. Hier wird
    dem Fahrer abverlangt, pausenlos wie ein Kaninchen auf eine
    Anzeigentafel zu starren, bis er aufgerufen wird. Oder die Aufrufe
    erfolgen über eine Lautsprecheranlage, die ähnlich wie die Ansagen auf
    den Bahnhöfen kaum zu verstehen ist.
  • Saubere und funktionierende sanitäre Einrichtungen für die Fahrer
    trifft man in den allerwenigsten Fällen an. Toiletten sind oft derart
    dreckig und auch zerstört, dass eine Benutzung weder aus hygienischen
    noch praktischen Gründen möglich ist. Klartext: Man ekelt sich und
    verkneift es sich lieber.

• Beim Abladen der LKW beim Discounter erledigt der Fahrer oftmals die
Arbeit, für die die Lagerarbeiter zuständig sind. Sortiertes Abstellen
der Palettenware, Entfernen von Folien und Verpackungsmaterial,
Umpacken von Mischpaletten, Einscannen von Etiketten, es feht nur noch
das Einräumen in die Regale.
• Entladehilfsmittel und Ameisen werden von den Discountern scheinbar
wie Goldstaub gehütet. Zum Betrieb muss man fast immer einen Pfand für
einen Ameisenschlüssel abgeben – an dem zur Sicherung gegen Diebstahl
eigentlich nur noch die Kette mit einer Autofelge fehlt. Hier wird
immer der LKW-Schlüssel als Pfand gefordert.

Aus versicherungstechnischer Sicht ein Skandal, denn der Fahrer hat
während der Entladung keine Möglichkeit zu kontrollieren, was draussen
an seinem LKW passiert. Natürlich muss der Fahrer die einfachen Ameisen
benutzen und oft lange Wege im Lager laufen, während die Lagerarbeiter
des Discounters natürlich die Mitfahrerameisen mit einem Stehplatz
benutzen.

• Fehlt mal irgendwo eine Ameise, kommen dumme Kommentare des
Lagerpersonals: „… Da hinten steht irgendwo eine, musst Du Dir holen…“
• Hat man gewartet, seine Ware abgeladen, erfolgt die Zählung und
Kontrolle der Ware – wieder Warten.
Ist das erledigt, erhält man seine Papiere – nachdem man wieder an der
Ausgabe gewartet hat.
Anschließend fährt man eine andere Rampe an – und wartet wieder – wo
man dann seine Tauschpaletten erhält.
• Und zu Guter Letzt erklärt man im Anschluß der Entladung seinem Chef
am Telefon, warum das alles so lange gedauert hat.

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Diesen alltäglichen „Spaß“ macht der Berufskraftfahrer jeden Tag von
Neuem mit und ist oftmals die ganze Woche oder mehrere Wochen am Stück
in seinem LKW unterwegs.

Er verliert alle sozialen Kontakte und Freunde, ist getrennt von Frau
und Haus, ein telefonischer Kontakt ist ausserhalb von Deutschland mit
erheblichen Kosten verbunden.

Ein realer Zigeuner und Vagabund mit unmenschlichem
Camping-Charakter-Hintergrund auf Europas Straßen.

Er muss dies alles innerhalb seiner gesetzlich vorgeschriebenen Lenk-
und Ruhezeiten schaffen, und trotzdem seine weiteren Kundentermine im
Auge behalten.

Mindestlöhne
Den meisten Fahrern ist die Bezahlung das wichtigste im Beruf. Aus
verständlichen Gründen. Miete, Verpflegung und Essen, Kredite – die
Liste ist frei erweiterbar.

Die Entlohnung sinkt immer weiter in den Keller. Durchschnitte liegen
bei zur Zeit 1400 – 1700 Euros bei einer Monatsarbeitszeit von oft bis
zu 240 Stunden und mehr.
Ein Rechenbeispiel:
• Ein Berufskraftfahrer „darf“ pro Woche täglich 13 Stunden Arbeitszeit
erledigen. In dieser Zeit sind die Fahrzeit und Wartezeiten enthalten.
o Hier ergibt sich eine tägliche Ruhe / Pausenzeit von 11 Stunden.
• Die tägliche Arbeitszeit von 13 Stunden „darf“ dreimal pro Woche auf
15 Stunden verlängert werden.
o Hier ergibt sich eine tägliche Ruhe / Pausenzeit von nur 9 Stunden.
• Die täglich mögliche Fahrzeit von 2x 4,5 Stunden „darf“ 2x pro Woche
auf 10 Stunden verlängert werden.

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Nun gibt es Firmen und Unternehmen, die noch nie etwas von einem
Arbeitszeitgesetz gehört haben und sich in ihrer Disposition nur an
diesen beschriebenen Möglichkeiten orientieren und die höchstmögliche
Arbeitszeit disponieren.

Also dreimal die Woche 15 Stunden und zwei mal 13 Stunden. Ziehen wir
hiervon jeweils 45 Minuten Pause für den Fahrer ab – denn mehr steht
dem Fahrer während seiner Fahrzeiten nicht zu – kommt man auf
wöchentlich knapp 67 Stunden Arbeitszeit. Macht im Monat 268 Stunden
Arbeitszeit.

Auf einen Monatslohn von vielleicht 1200,- Euro netto ergibt das einen
Stundenlohn von nicht einmal 4,50 Euro.

Nun wollen viele Chefs das mit sogenannten „Prämien“ aufpeppen, die
jedoch willkürlich und jederzeit gekürzt oder wieder eingestellt werden
können. Hat der Fahrer einen Schaden am Fahrzeug, oder Termine nicht
eingehalten oder schafft es zeitlich nicht, das Fahrzeug aufzutanken
bevor er es abstellt, bekommt er Prämienabzug. Ein Recht auf diese
Zahlungen kann er in den wenigsten Fällen durchsetzen oder einklagen.

Abgesehen davon werden mit diesen Prämienzahlungen die entsprechenden
Sozial- und Rentenbeiträge vom Chef eingespart – die jedoch später im
Rentenalter empfindliche Einbußen bedeuten.

Die Spesenzahlungen werden eh von der Verpflegung unterwegs und den
Parkgebühren aufgefressen.

Daß die meisten Fahrer für dieses Arbeitspensum und diese Anforderungen
an den Beruf eine angemessene Bezahlung fordern, ist sicherlich
nachvollziehbar.

Selbst Sachverständige sind mittlerweile der Meinung, dass die Gehälter
von Berufskraftfahrern eigentlich sofort um 50% und mehr angehoben
werden müssten, um dieser Leistung gerecht zu werden.

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Spesensätze
Die gezahlten Spesensätze in Deutschland sind schon seit langem nicht
mehr zeitgemäß. In jedem andern Land Europas wird mehr an Spesen
gezahlt als in Deutschland.
• Durchschnittliche Parkgebühren auf Autohöfen von 10 Euros pro
Übernachtung
• Duschen für 3 Euros täglich
• Eine durchschnittliche warme Mahlzeit 9,50 Euros
• Toilettenbenutzung auf den Rastatätten pro Gang 0,70 Euro.
• Getränke sind hier noch gar nicht mit berücksichtigt.
Mit 24 Euros kommt man da rein rechnerisch nicht mehr hin, und es gibt
tagtäglich noch einige andere unabsehbare Ausgaben für den
Berufskraftfahrer. Es wird also hier noch permanent draufgezahlt.

Lenk- und Ruhezeiten
Das Rechenbeispiel für die monatliche Arbeitszeit wurde weiter oben
bereits beschrieben.

Der Berufskraftfahrer erbringt eine tägliche Arbeitsleistung von 13-15
Stunden. Die möglichen Verlängerungen dieser Zeiten werden von vielen
Unternehmen gnadenlos ausgenutzt.

Vergleicht man diese Arbeitszeiten mit denen eines normalen
Büroangestellten oder einer Kassiererin im Supermarkt stellt sich die
generelle Frage: Aus welchem Recht wird in dieser Branche eine dermaßen
lange Arbeitszeit mit dieser immensen Verantwortung bei derart mieser
Bezahlung gefordert?

Damit ein Berufskraftfahrer seiner Arbeit ausgeruht und verkehrssicher
nachkommen kann, ist eine Senkung der täglichen Arbeitszeit auf 10-11
Stunden komplett bald unausweichlich.

Abgesehen davon beissen sich die Möglichkeiten der nutzbaren Lenkzeiten
eklatant mit dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG) §21a Abs.4: Die Arbeitszeit
darf 48 Stunden wöchentlich nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu 60
Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von vier Kalendermonaten oder
16 Wochen im Durchschnitt 48 Stunden wöchentlich nicht überschritten
werden.

Somit würde sich durschnittlich nur eine nutzbare 9,6 Stunden
Arbeitszeit pro 5-Tage-Woche ergeben, wenn man die Vorgaben dieses
Gesetzes einhält.

Be- und Entladeverbot
Die allerwenigsten Kunden ermöglichen es dem Berufskraftfahrer, während
der Be- oder Entladung im Fahrzeug zu verbleiben.

Es gibt kaum einen Discounter, der nicht vom Fahrer erwartet, dass er
sein Fahrzeug selbst be- und entlädt, obwohl dies gegen das
Handelsgesetzbuch verstößt, welches nur die Geschäftsbeziehung zwischen
Kaufleuten regelt – nicht aber die zwischen Kunden und Fahrpersonal.

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Klartext: es existiert bereits ein Be- und Entladeverbot für die
Fahrer, welches aber stillschweigend und duldend umgangen wird. Lädt
oder entlädt der Fahrer nicht selbst sein Fahrzeug, könnte es die
letzte Tour für den Spediteur bei diesem Kunden gewesen sein.

Oftmals wird auch verbotswidrig von den Chefs gefordert, dass der
digitale Tachograf, der alle Lenk- und Ruhezeiten auf einer
Speicherkarte aufzeichnet, vom Fahrer auf Pause gestellt wird – um so
wertvolle Arbeitszeit zu sparen, die dann noch für den Rest des Tages
zur Verfügung steht.

Eine entsprechende Kontrolle der zuständigen Behörde (BAG –
Bundesaufsichtsamt für Güterverkehr) findet so gut wie nie statt.
Zitat des Pressesprechers des BAG Köln vom 12.April 2013 auf meine
Anfrage:

…zur Durchführung von bundesweiten Straßenkontrollen, die
grundsätzlich auch an Wochenenden und an Feiertagen stattfinden, waren
im Jahr 2012 beim Bundesamt für Güterverkehr 245 Stellen besetzt.
Insgesamt wurden 606.099 Fahrzeuge auf die Einhaltung der Vorschriften
verschiedener Rechtsgebiete kontrolliert.
Selbstverständlich werden hierbei auch die Kabotagebestimmungen durch
den Straßenkontrolldienst überwacht.
Die Kontrolle der Kabotagebestimmungen sind Teil der GüKG-Kontrollen.
Allein in diesem Rechtsgebiet wurden 108.837 Fahrzeuge von
EU-Unternehmen kontrolliert, dabei wurden 484 Verstöße festgestellt.
Im Vergleich dazu wurden 98.282 Fahrzeuge gebietsansässiger Unternehmen
kontrolliert und 52 Verstöße festgestellt.
Für eine Änderung seiner Kontrollpraxis sieht das Bundesamt aktuell
keinen Anlass…

Ob hier der Wille zur Mehrarbeit oder einfach nur mangelnde Einsicht
oder fehlendes Personal der Grund ist, ist für mich nicht
nachvollziehbar. Es erweckt den Eindruck, dass das BAG sich nur auf
lukrative und einfache Arbeit konzentriert, welches den Beamten eine
angenehme Tätigkeit garantiert – auf den Autobahnen im warmen und
gemütlichen Fahrzeug – auf der Lauer liegend.

Streikrecht
Die aktuelle Gesetzgebung in Deutschland verbietet es dem normalen
Berufskraftfahrer, zu streiken. Generell ist eh nur eine Gewerkschaft
berechtigt, einen Streik auszurufen, und dies auch nur für die
angeschlossenen und organisierten Mitglieder der Gewerkschaft

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Alle anderen Arbeitnehmer haben hier weder eine rechtliche noch
arbeitstechnische Möglichkeit, sich an solchen Streiks zu beteiligen,
es sei denn, sie sind bereit, Schadenersatzforderungen oder
arbeitsrechtliche Konsequenzen in Form einer Kündigung wegen
Arbeitsverweigerung in Kauf zu nehmen.

Die einzige Möglichkeit der Fahrer, auf ihre Probleme aufmerksam zu
machen besteht darin, Demonstrationen durchzuführen.
Mittlerweile organisieren sich Hunderte von Fahrern in sozialen
Netzwerken und haben auch schon mit verschiedenen Aktionen und
Veranstaltungen auf ihre Probleme aufmerksam gemacht.

Jedoch fehlen diesen Gruppierungen die Möglichkeiten, sich bei der
Politik entsprechendes Gehör zu verschaffen, weil Vereine und
Gruppierungen aus sozialen Netzwerken kein Anhörungsrecht in
Fachausschüssen und Gremien in der Politik haben.

Um hier also Änderungen herbeizuführen, ist der Weg über die Politik
erforderlich, der den Politikern auch unmissverständlich aufzeigt, dass
die Berufskraftfahrer die gesamte Wirtschaft in Deutschland und Europa
aufrecht erhalten. Denn jegliche Ware – völlig egal was es ist – muss
auf den letzten Metern ins Geschäft mit einem LKW transportiert werden.
Die gesamte Bevölkerung ist also auf diesen Berufsstand angewiesen.

Aber es macht auch den Eindruck, dass dieser Zustand insgeheim von der
Politik gewünscht ist.

Es mag sich jeder selbst ausmalen was passiert, wenn dieses soziale
Pulverfass zur Explosion kommt und doch einmal durch wilde
Streikaktionen von wütenden Fahrern Autobahnen und Warenfluss
lahmgelegt werden – auch wenn es rechtswidrig ist.

Medien und Öffentlichkeit
Es wird ja ab und an über die Berufskraftfahrer berichtet. Meist jedoch
nur in Verbindung mt Unfällen und Staus, über Autobahnverstopfer und
Schnellfahr-Behinderer.

Ist mal ein einigermaßen objektiver Bericht im Fernsehen oder in der
Zeitung zu finden, werden hier fast nur die oberflächlichen Fakten
aufgeführt, Probleme vertuscht oder ausgelassen.

Niemanden interessiert, was der Berufskraftfahrer für einen
verantwortungsvollen Job macht, sowohl auf der Straße wie auch
volkswirtschaftlich. Just fishing for Quotes.

Die Supermarktregale sind ja immer voll, und viele denken sich das
alles so nach dem Motto: Wozu Kraftwerke, bei mir kommt der Strom aus
der Steckdose.

Was für Arbeit und Logistik dahinter steckt, weiss niemand, und es wird
auch nicht darüber berichtet – es interessiert niemanden.

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Kraftfahrer werden nur als potentielle Gefährdung und Behinderer
angesehen, als Rambos auf der Straße, die generell an allen Unfällen
schuld sind und als die Melkkühe der Nation, wie Sklaven mit einem
Barcode im Nacken. Nur als austauschbare Kostenfaktoren. Dreckig,
stinkend, unhöflich, kaum der deutschen Sprache mächtig, unpünktlich
und frech.

Die Tatsache, dass mittlerweile deutsche Speditionen mit
Niederlassungen in Osteuropa Philippinisches Fahrpersonal einstellen,
die dann für gerade mal 680 Euros im Monat diesen Job machen,
verschärft die Wut der Fahrer auf die Politik.

Daß diese betroffenen Unternehmen versuchen, diese Probleme mit immer
mehr Lohdumping noch weiter nach unten zu drücken, ist ein Skandal.

Es müssen deutlich schärfere und konsequentere Kontrollen der
bestehenden Gesetze und Vorschriften her.
Wir brauchen keine neuen Gesetze und Vorschriften – die bestehenden
müssen nur energischer und dauerhafter kontrolliert werden.
• Mehr Überprüfungen in den Betrieben
• Verbot von Briefkastenfirmen im Ausland
• Kontrolle der Kabotage bzw deren komplette Aussetzung, bis europaweit
einheitliche Arbeitsbedingungen geschaffen wurden
• Mehr Verkehrskontrollen
o Geschwindigkeiten, Geschwindigkeitsbegrenzer von LKW
Kontrollen nicht nur auf den Autobahnen, sondern verstärkt auf den
Bundesstraßen, hier sind für LKW nur 60 km/h erlaubt
o komplette Überholverbote in Baustellen
Es sollte in Baustellen ein generelles Überholverbot für alle Fahrzeuge
geben, versetztes Fahren
  – Ladungssicherung
– Technische Zustände der Fahrzeuge
  -Ausreichende Sprachkenntnisse, um Verkehrsschilder, Hinweistafeln und
Beschriftungen auch verstehen zu können

Es sind viele Fakten, die dem Berufskraftfahrer ihre Tätigkeit immer
mehr vermiesen.
• Die Branche klagt über Fahrermangel – meiner Meinung nach ein
hausgemachtes Problem, denn die Speditionen bilden nicht selbst aus
oder einfach zu wenig und überlassen das den Arbeitsagenturen und
Fahrschulen
• Die Branche zahlt mies und ungerecht
• Die Branche nutzt alle nur erdenklichen Möglichkeiten aus, bestehende
Gesetze und Sozialvorschriften zu umgehen und die Fahrer dazu zu nötigen
• Der menschliche Umgangston gibt eher das Bild moderner
Sklavenwirtschaft wieder

Wen wundert es nun noch, wenn der Beruf immer unattraktiver wird und
niemand mehr auf dem LKW arbeiten will?
Die gesamte Bevölkerung ist auf diese Branche zwingend angewiesen, und
wenn hier nicht bald gehandelt wird, werden unabsehbare Probleme auf
die gesamte Wirtschaft in Europa zukommen.

Es wird Zeit, dass der Beruf des Kraftfahrers endlich als das anerkannt
wird, was er ist: die Versorger der Nation. Ohne den LKW bleiben die
Tankstellen ohne Sprit, die Supermärkte ohne Lebensmittel, der gesamte
Handel ohne Nachschub und kein Rad dreht sich mehr in den Produktionen,
weil das Material fehlt oder Produkte nicht mehr ausgeliefert werden.

Eine Branche steuert ins aus ?

Es muss Schluß sein mit der menschenunwürdigen Behandlung der
Berufskraftfahrer, die nur als Hilfsarbeiter mit Führerschein angesehen
werden.

Es müssen gleiche Bedingungen für alle Betroffenen – sowohl Fahrer wie
auch Unternehmen – in ganz Europa her, denn es kann nicht sein, dass
trotz EU-Richtlinien und –vorschriften jedes Land seine eigenen
Spielregeln aufstellt oder diese einfach ignoriert und nicht beachtet.

In den Unternehmen müssen die Rechte der Fahrer z.B. durch zwingendes
Vorhandensein eines Betriebsrates gestärkt werden, damit sie endlich
die unhaltbaren Zustände ohne Befürchtung von arbeitsrechtlichen
Sanktionen ans Tageslicht bringen können.
Es liegt der Verdacht nahe, dass dieser Zustand der Uneinigkeit von der
Politik gewollt ist, sich niemand für diese Probleme verantwortlich
fühlt und der schwarze Peter immer wieder jemand anderem zugeschoben
wird.

Vielleicht habe ich jetzt mit diesen Ausführungen ein wenig aufmerksam
gemacht.

Es muss ein Ende damit haben, dass die ernsthaften Probleme einer
gesamten Branche mit über 1 Million betroffener Berufskraftfahrer nicht
ernstgenommen werden.

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